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Jamaika: Ein Schmelztiegel mit vielen Einflüssen

07. Juli 2004
von FIFAworldcup.com

Seitdem die Jamaikaner 1998 bei der Endrunde in Frankreich FIFA Weltpokal(tm)-Luft schnuppern konnten, wird daheim auf der Insel viel von ihnen erwartet. Doch die lange als Fussballkönige der Karibik gehandelten Jamaikaner befinden sich derzeit mitten in einer sehr problematischen Phase - und Besserung ist nicht in Sicht. In der Nationalmannschaft Jamaikas kommen immer mehr Spieler zum Einsatz, die im Ausland aktiv, teilweise sogar im Ausland geboren sind. Langsam beginnt man sich zu fragen, ob die Reggae Boyz vielleicht einen Teil ihres eigenen, angeborenen Spielrhythmus' verlieren.

Mit der Ankunft der Engländer kam auch das Fussballspiel nach Jamaika, das dort schnell Freunde auch unter den Einheimischen fand - schließlich war man seit den Zeiten von Kolumbus an den Einfluss fremder Kolonialmächte gewöhnt. Zwar blieb das organisierte Fussballspiel bis ins 20. Jahrhundert hinein eine exklusive Beschäftigung für die Mitglieder der Oberklasse und wurde fast ausschließlich an Privatschulen und in Klubs gespielt (der erste Fussballklub wurde bereits 1883 gegründet), doch auf der ganzen Insel spielte man schon bald das schönste aller Spiele - und zwar mit einem besonderen karibischen Einschlag, um den Jamaika schnell in der ganzen Region beneidet werden sollte.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Fussball auf Jamaika weiter und wurde atemberaubend technisch und sehr körperbetont. Die Leidenschaft für den Fussball erfasste jedenfalls im Laufe des 20. Jahrhunderts das gesamte Land. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1962 versuchten die Jamaikaner daher sofort, die Qualifikation für die anstehende Weltmeisterschaft 1966 in England zu erreichen. Doch schwere Mängel in den Organisationsstrukturen, unzureichende Vorbereitung und ganze Auswanderungswellen weg von der Insel sorgten dafür, dass Jamaika sich erst 1998 erstmals auf der internationalen Bühne präsentieren konnte.

Damani Ralph - einer der aufstrebenden Stars im Team von Nationaltrainer Carl Brown - spielt seit sieben Jahren in den USA. Zwar lernte er das Fussballspielen auf den Straßen von Kingston, doch erst in den Staaten bekam der heute brandgefährliche Stürmer seinen letzten Schliff, zunächst im Universitätsfussball und später in der MLS.

Große Unterschiede und starker 'ausländischer' Einfluss

"Es gibt große Unterschiede zwischen dem Fussball in den USA und in Jamaika. In den Staaten wird sehr stark auf die Taktik geachtet", so der "beste MLS-Neuling des Jahres 2003", der für Chicago Fire stürmt. "In Jamaika hingegen läuft das Spiel viel flüssiger, es wird mehr improvisiert. Doch nun ändert sich die Situation zusehends, da immer mehr Spieler aus dem Ausland nominiert werden."

In der Tat spielen von den 37 Spielern des erweiterten Kaders von Brown, der früher selbst Kapitän der Nationalmannschaft war, nur acht bei Vereinen auf der Insel. Von den Spielern, die heute im Ausland spielen, wurden außerdem viele gar nicht in der Karibik geboren.

Als Jamaika die Qualifikation für den FIFA Weltpokal France '98(tm) schaffte, spielten noch 15 der 22 Spieler im Kader auf der Karibikinsel. Doch auch hier wird Fussball immer mehr zu einem globalisierten Sport. Spieler sind immer stärker daran interessiert, sich auch auf der internationalen Bühne zu präsentieren, und so sind die Reggae Boyz nicht die einzige Mannschaft, die immer stärker 'internationalisiert' wird.

König für einen Tag

Die Spiele gegen Haiti, durch die Jamaika den Einzug in die Halbfinal-Gruppenphase der CONCACAF-Qualifikation für Deutschland 2006 schaffte, trugen allerdings nicht gerade zur Stärkung des Selbstvertrauens bei.

Im Hinspiel in Miami waren die Jamaikaner am Ende glücklich, mit einem 1:1-Unentschieden davon zu kommen. Im Rückspiel musste dann Marlon King von Nottingham Forest ganz allein drei Tore erzielen, um Haiti aus dem Rennen zu werfen (3:0-Endstand).

Mit diesem Hattrick schraubte der in Großbritannien geborene King sein Torkonto auf fünf Treffer in fünf Spielen. Der Stürmer hätte im Übrigen möglicherweise auch für England oder für die Republik Irland antreten können. "Es war einfach eine logische Entscheidung, für Jamaika zu spielen, da von meinen Familienmitgliedern mehr von der Insel stammen", erklärte er in einem Interview mit dem Jamaica Observer.

"...Auf Seiten meines Vaters stammen sind alle Jamaikaner, und auch auf Seiten meiner Mutter gibt es ein paar Jamaikaner. Ich denke mal, ich bin mehr Jamaikaner als Ire", so King.

In der anstehenden Runde warten die USA, El Salvador und Panama. Angesichts dieser Gegner werden die Jamaikaner einen konstanten Rhythmus finden müssen, wenn sie die abschließende Gruppenphase erreichen und ihre Chance auf die Teilnahme in Deutschland 2006 wahren wollen. Nur die beiden Besten der Halbfinalgruppen kommen weiter.

Abhängigkeit von den Vereinen

Brown ist sich durchaus im Klaren darüber, dass durch den starken "ausländischen" Einfluss früher oder später Konflikte zwischen der Nationalmannschaft und den Klubs im Ausland entstehen werden. "Das ist ein heikles Thema, aber wir haben zu den meisten Trainern und Vereinen ein gutes Verhältnis aufgebaut. Wenn es so weit ist, werden wir mit ihnen verhandeln, um die Spieler so lange wie möglich zur Verfügung zu haben", sagte er.

Nach der Berufung von Stürmer Jason Euell von Charlton Athletic hat Brown in der Angriffsabteilung nun sogar noch eine schlagkräftige Option mehr zur Verfügung. Mit jedem Spieler aus Übersee kommen allerdings auch neue Sorgen und Probleme in die Mannschaft. Die Tage, an denen man seine Mannschaft nahezu ausschließlich aus den heimischen Vereinen rekrutierte und sie nahezu nach Belieben anfordern und einsetzen konnte, sind lange vorbei.

Euell, der einen Einsatz für die englische U-21-Mannschaft hinter sich hat, war vor Ort, als die Reggae Boyz in Kingston gegen Haiti siegten. "Nach den letzten Wochen möchte ich wirklich gern für Jamaika spielen", sagte er. "Schließlich geht es letztlich um die Teilnahme an der WM, und es wäre ja nun wirklich das Größte, bei einem solchen Turnier dabei sein zu können."

Doch die große Frage bleibt: Wird der 'fremde' Einfluss für Jamaika den Anbruch einer goldenen Zukunft bedeuten, oder werden die Leidenschaft und der unverwechselbare karibische Stil, der einst auf den Straßen von Kingston entstand, verwässert?

Die Ergebnisse der Qualifikationsspiele werden die Frage beantworten. Nächster Gegner für die 'neuen' Reggae Boyz sind am 18. August die USA.